Klassische Automatisierung vs. Agenten (Vergleichstabelle)
| Dimension | Klassisches Workflow | KI-Agent |
|---|---|---|
| Entscheidung | Feste if/else-Regeln | Inferenz auf Kontext |
| Benötigter Input | Strukturiert | Unstrukturiert (Text, Bild) |
| Verhalten | Deterministisch | Probabilistisch |
| Wartung | Regeländerungen | Prompt-Iteration + Evals |
| Kosten pro Lauf | Null nach dem Setup | Tokens + Infra |
| Audit | Trivial (deterministische Logs) | Komplex (probabilistische Entscheidungen) |
Wann sich der Wechsel zum Agenten lohnt
Nicht immer ist ein Agent besser. Die praktische Regel: wenn der Prozess deterministisch ist (A → B → C immer), nimm ein klassisches Workflow. Wenn er kontextbasierte Entscheidung verlangt (eine Mail lesen und entscheiden, was zu tun ist), dann lohnt sich ein Agent.
- Ja, Agent: Tickets nach Inhalt klassifizieren, Daten aus variablen Dokumenten extrahieren, personalisierte Antworten verfassen, kontextbasierte Priorisierung.
- Kein Agent (klassisches Workflow besser): geplante Notifications, Sync zwischen Systemen, regelbasierte Validierungen, Datenübertragungen.
Die 3 Einsatzmuster: Entscheidung, Ausführung, Monitoring
- Entscheidungs-Agent. Bekommt einen Input, bewertet den Kontext, entscheidet, welches Workflow läuft. Beispiel: Agent, der eingehende Mails klassifiziert und an das richtige Team routet.
- Ausführungs-Agent. Bekommt eine vom Menschen oder anderem System getroffene Entscheidung und führt eine Aktionsfolge aus. Beispiel: Agent, der beim Verkaufsabschluss ein Projekt im Project Manager anlegt, Onboarding-Mails sendet und das Kickoff terminiert.
- Monitoring-Agent. Beobachtet ein System, erkennt Anomalien und entscheidet, wann an einen Menschen eskaliert wird. Beispiel: Agent, der Application Logs prüft und nur dann meldet, wenn ein wirklich besorgniserregendes Muster auftritt.
Stack und Tools (Make AI, n8n, custom)
| Tool | Wann nutzen | Hauptlimitierung |
|---|---|---|
| Make AI | Nicht-technisches Team, schnelle Integrationen | Komplexe Logik braucht „code modules" |
| n8n + KI-Nodes | Halbtechnisches Team, Kontrolle + Flexibilität | Größere Lernkurve |
| LangChain / LangGraph (custom) | Komplexe Multi-Agent-Systeme | Braucht ernsthafte Entwicklung |
| OpenAI Assistants API | Schnelle Prototypen | Vendor Lock-in und schnell skalierende Kosten |
Governance, Rollback und Supervision
Ein Agent ohne Governance ist eine Bombe. Die vier Pflichtteile:
- Human-in-the-Loop bei High-Impact-Entscheidungen. Jede Aktion mit signifikanten Folgen verlangt menschliche Bestätigung vor der Ausführung.
- Auditierbare Logs jeder Entscheidung mit ihrem Kontext. Wenn in 6 Monaten etwas schiefläuft, musst du rekonstruieren können, was passiert ist.
- Automatisches Rollback, wenn das Ergebnis vom Erwarteten abweicht. Fällt die Qualitätsmetrik unter die Schwelle, geht das System automatisch in den vorherigen Zustand zurück.
- Periodische menschliche Prüfung (mindestens wöchentlich im ersten Quartal) der Grenzfälle. Ohne das werden systematische Fehler nicht erkannt, bis sie sich anhäufen.